12.-14. Mai 2011 / Höhere Sicherheitsstandards bei der Produktion von Fahrzeugen erfordern stetige Schulungen bei den Rettungskräften der Feuerwehr…

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Die stetige Entwicklung von immer ausgefeilteren Sicherheitsstandards bei der Produktion von Fahrzeugen, beschert den Nutzern bei einem Unfall eine hohe Chance zu überleben beziehungsweise sogar relativ unverletzt das Unfallfahrzeug verlassen zu können.

 

Tür wird demontiert (Auto liegt auf der Seite)

 

Verschiedene Airbags und das Zusammenspiel von gewollter Verformung und installierter Stabilität sind Bestand des Sicherheitskonzeptes.

 

Sollte allerdings der Aufprall so gewaltig gewesen sein, dass die Insassen in den deformierten Fahrzeugen eingeklemmt wurden und die Türen nicht mehr klassisch zu öffnen sind, bedarf es dem Eingreifen der Rettungskräfte der Feuerwehren mit speziellem Gerät für diese Anforderungen. “Des einen Freud ist in diesem Fall des anderen Leid“. Die enormen Sicherheitseinrichtungen erschweren den Einsatz der Feuerwehren und erfordern immer höhere Standards in der Ausrüstung mit hydraulischen Rettungsgeräten.

 

Viele Hände helfen bei der achsgerechten Rettung (Hamburger Modell)

 

Während des am vergangenen Wochenendes auf Amrum durchgeführten Lehrganges zur technischen Hilfeleistung, dessen primäres Lernziel die schnelle, effektive und patientengerechte Rettung von Verkehrsunfallopfern ist, wurden die Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner an drei Tagen speziell in diesen Anforderungen geschult. Für die Wehrführung der Gemeindefeuerwehr Wittdün stellte dieser Lehrgang eine hervorragende Chance dar, das auf dem brandneuen Einsatzfahrzeug vorgehaltene schwere Rettungsgerät in seiner Handhabung zu erproben und gezielt einzusetzen. „Wir konnten im vergangenen Jahr bereits eine Gruppe unserer Kameraden schulen lassen und schaffen mit dem jetzigen Lehrgang eine noch größere Basis für den realen Einsatz. Mit der Ortsfeuerwehr Nebel werden nun auf Amrum zwei komplette Gerätschaften vorgehalten, die bei Verkehrsunfällen wichtige Hilfsmittel darstellen“, resümiert Wittdüns Wehrführer Dietmar Hansen.

 

Bei diesem Lehrgang spielte die große persönliche Erfahrung der Kreisausbilder Roland Strauss und Dieter Dorow eine wichtige Rolle. Bereits im theoretischen Teil des Lehrganges wurde deutlich, wie komplex die Beurteilung einer Unfallsituation zu erfolgen hat. „Die enorme Deformierung suggeriert beim Eintreffen an der Unfallstelle erst einmal ein erschreckendes Szenario“, weiß Roland Strauss aus seinen unzähligen Einsätzen an der B 5 im Bereich Eiderstedt zu berichten.

 

Als Basis für diesen Lehrgang steht die Ausbildung nach dem sogenannten „Hamburger Modell“. Dieses stellt ein bewährtes Handlungsgerüst zur Rettung von Personen in Zwangslagen dar, ermöglicht es, dass Rettungsdienst und Feuerwehr auf einer gemeinsamen Basis handeln können und die Mannschaft erhält durch standardisiertes Vorgehen Sicherheit, wodurch wiederum Stress reduziert werden kann.

 

stabilisierte Seitenlage

 

„Keine der heute verwendeten Sicherheitseinrichtungen geben Grund zu unnötiger Vorsicht oder gar Panik! Die Versorgung von verletzten Unfallopfern hat nach wie vor oberste Priorität und kann umgehend erfolgen!“, lautet somit auch ein Leitsatz der Ausbildung. Was aber nicht bedeutet, dass die Umsicht und die persönliche Sicherheit auf der Strecke bleiben. Die individuelle Unfalllage bestimmt letztendlich das Handeln und die Methode zum Ziel.

 

Ausbilder Strauss lässt sich über die Heckklappe retten

  

In zwei Gruppen aufgeteilt konnten die Lehrgangsteilnehmer an zwei Altfahrzeugen Erkenntnisse sammeln und Praktiken üben, die beim Realeinsatz lebensnotwendige Zeit zum Überleben der Opfer sichert. Dabei legten Roland Strauss und Dieter Dorow großen Wert darauf, den Kameraden Lösungswege aufzuzeigen, die sowohl die auf dem Löschfahrzeug mitgeführten Bordmittel wie Holzkeile, Steckleiterteile und Löschschläuche einbanden, als auch solche, bei denen in kürzester Zeit ein auf der Seite, beziehungsweise auf dem Dach liegendes Auto stabilisiert werden kann.

 

Das Hamburger Modell sieht drei Phasen bei der Rettung vor, die sich in die Schaffung eines Erstzuganges, einer Versorgungsöffnung und einer Befreiungsöffnung gliedern. Dabei stand den Lehrgangsteilnehmer eine Fülle an Arbeitsmitteln zur Verfügung, die sich von einem einfachen „Gurtschneider” bis hin zu hydraulisch betriebenen Rettungsschere und Spreizer erstreckten.

 

Alle Teilnehmer zeigten sich hoch motiviert und gestalteten mit ihrem gezeigten Interesse und Engagement diesen „lebenswichtigen“ Lehrgang unter der Leitung von Roland Strauss und Dieter Dorow sehr interessant.

 

Autor: Thomas Oelers

 

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